Freitag, 26. Juni 2015

Erste Haelfte geschafft!

Geschafft!
Gestern habe ich den noerdlichen Endpunkt des Appalachian Trails - Mount Katahdin - erklommen und heute entspanne ich einen Tag in der naechstgelegenen Stadt (ueber 20 Meilen!!), Millinocket. Man ueber 1100 Meilen kaum zu glauben! Ich muss sagen ich bin schon froh Maine endlich hinter mir lassen zu koennen, es war zwar wunderschoen mit all den Seen (die hier fast alle Teich/Pond genannt werden...) und der 'wilden' Natur. Aber diese Wurzel, der Matsch und die Muecken haben mich schon einige Nerven gekostet... So geht es zum Beispiel flach dahin, man kommt aber nicht voran, da man die ganze Zeit ueber Wurzeln steigen muss. 
Das Merkwuerdigste war, dass - ausgerechnet in der 100-Mile-Wildernis - ich den ganzen Hikern begegnet bin, die gerade mit ihrer Wanderung starten (sie gehen von Sueden nach Norden) - also teilweise naiv, falsches Equipment und ohne irgendeine richtige Vorstellung auf was sie sich da einlassen. Das war sehr lustig mit anzusehen und ich musste mich sehr zusammenreissen nichts 'Falsches' zu sagen...
Beweisbild der morgendlichen 'Baergegnung'
Da ich immer sehr frueh starte habe ich auch einiges an wilden Tieren gesehen. Das Highlight war eine Mutter Baerin mit zwei Kleinen! Man die haben mir vielleicht einen Schrecken eingejagt. Also gegen 6 Uhr morgens, ich bieg um die Ecke und etwa 60 Meter vor mir direkt auf dem Trail, die Mama Baer mit ihren Kids... ich bin etwas zurueck gegangen und hab mich vorsichtig bemerkbar gemacht: "Hallo, hallo..". Mama ist mit dem Kleineren der beiden Baerenjungen nach links in den Wald abgezischt, und der Groessere, dachte ich nach rechts... bin naeher gekommen und hab dann erst realisiert dass er nur auf den naechsten Baum etwa 2 m ueber den Boden am Stamm hing... Ups... ich also wieder zurueck und nochma: "Hallo, hallo....". Irgendwann hat er sich dann entschlossen abzuziehen, aber natuerlich nach rechts. Habe kurz ueberlegt ob ich jetzt wirklich zwischen Mama und Junior 2 durchgehen soll... Bin dann aber laut singend (so dass man auf sich aufmerksam macht und sie nicht ueberrascht) schnell hindurchgegangen... Puhh, war zwar ein cooles Erlebnis, aber muss nicht nochmal sein, wenn ueberhaupt dann nur Baer ohne Kinder...die Mama Baeren sind einfach zu heikel - koennen recht gefaehrlich werden wenn sie ihre Jungen in Gefahr sehen!
Ich bin auch froh, dass ich wahrscheinlich keine Fluesse mehr durchwaten muss! Das Problem ist dass man nie weiss ob man nicht eh 10 Minuten spaeter in Matsch steigt und dann eh nasse Fuesse hat, also bin ich einfach mit den normalen Schuhen durch. Hatte einfach keinen Bock jedesmal 20 Minuten Schuhe wechseln usw., ausserdem sind meine Croqs meistens viel zu rutschig um irgendeinen Halt auf den glitschigen Steinen zu finden. Manchmal gibt es wenigstens ein Seil um bisschen mehr Sicherheit zu haben (siehe Bild oben).
Ein Baummarder! Der war irgendwie nicht so erfreut mit unserer Begegnung, hat mich von oben - aus sicherer Entfernung - ganz schoen begeschimpft.
Maine : jede Menge Wasser und Wald!
Little Wilson Falls - ich glaub die Groessten auf dem AT (gehen noch etwa zweimal so weit runter)

Das ist ja ein ermutigendes Eingangsschild zur 100-Mile-Wildernis! (Ich hatte Essen fuer knapp 6 Tage dabei und war in 5 Tagen durch, aber ich glaub nach 1000 Meilen ist man kein allgemeiner Massstab mehr.)
 Der Aufstieg auf Katahdin war dann ganz schoen happig, die meiste Zeit musste man raufklettern und sich irgendwie ueber riesige Steinbrocken stemmen. Gottseidank, kann man an der Rangerstation am Fuss des Berges kleine Tagesrucksaecke ausleihen! Ich glaub mit dem grossen Rucksack waer ich immer noch irgendwo zwischen Gipfel und Tal...
Nach Katahdin hatte ich Glueck und musste gar nicht lange warten und wurde von zwei netten Tageswanderern nach Millinocket mitgenommen - man ist das weit weg, bestimmt 40 Minuten Fahrt!
Bin jetzt fuer zwei Naechte in der AT Lodge (Hostel) und hatte auch wieder super Glueck - zwei aeltere Herren die den AT abschnittsweise wandern, fahren morgen zurueck nach Hause und auch ueber Harpers Ferry! Sie nehmen mich mit und so kann ich mir das Geld fuer das Flugticket sparen! Yuhuu mehr Geld fuer Burger und Co!
Bin schon gespannt wie es weiter geht - aber anscheinend erwartet mich heisses Wetter... naja muss ich wohl wieder eine lange Mittags-Siesta einlegen. Wir werden sehen.
Bis bald, und auf zu den restlichen 1000 Meilen!
Schaut doch etwas beeindruckend aus - Katahdin - obwohl nur 1606 m
Am Morgen, etwa 10 Meilen vor dem Aufstieg auf Katahdin (ganz links)

Geschafft! Und in Gedanken schon in der Stadt bei Eiscreme und Erholung...

Runterzukommen war nicht so spassig, meine Knie waren danach tot...

Freitag, 19. Juni 2015

Maine, Maine, Maine!

Nachdem ich insgesamt zwei Tage in Rangeley meinen Knoechel geschont habe, bin ich wieder auf den Trail. Habe auch ein nettes Paerchen, die in Georgia gestartet sind getroffen und bin ein bisschen mit ihnen zusammen gewandert (immer ein paar Stunden am Tag). Das hat mich gut gepuscht und durch die Ablenkung hab ich auch nicht mehr so sehr den Knoechel gespuert. 3 Tage spaeter war ich dann auch schon am Kennebec River, der einzige auf dem Trail mit Faehrservice! Abgefahren! 

 Maine ist wie erwartet ganz schon wild, viele Wurzeln, Matsch und so weiter (hab ich glaub ich schon mal erwaehnt). Aber auch schoen, der Nachteil des vielen Wassers ist natuerlich dass man mindestens zweimal am Tag durch einen kleinen Fluss waten muss und dann schon wieder nasse Fuesse hat, also die leiden schon ein bisschen...


 Und jetzt bin ich grade in Monson und hab nochmal Essen besorgt fuer die 100 Mile Wildness! Aber auch nachdem ein Zehnagel so gut wie ab ist - iiiiiihhh (mit Absicht keine Fotos!) - schon wieder neue Schuhe : Problem - Fuesse gewachsen! Naja mit einem Zehnagel weniger kommt man auch ganz gut voran... mal sehen.
Also heisser geht's glaub ich nimmer - 'Hiker-Schick'
Die letzten Tage war es auch ganz schoen lebhaft auf dem Trail, denn mir sind bis zu 20 Sobos die am Mtn Kathadin gestartet sind, entgegen gekommen. Wetter war ganz gnaedig mit mir, hoffe nur ich kann meine Fuesse die naechsten Tage gut aus dem Matsch raus halten so dass sie gut ausheilen und trocken bleiben!
Der Plan ist dann dass ich in 6 Tagen am oberen Ende angelangt sein werde und dann per Flugzeug weider zurueck zum Startpunkt fliege und die restliche Haelfte im Sueden in Angriff nehme.
Mal sehen wie reibungslos das alles klappt.
Moose Poo ueberall, wenn jemand interessiert ist http://www.mostlymoose.com/jewelry7.html

Ausnahmsweise auch mal den Produzenten von den Koetteln gesehen!

Ein Grouse Maennchen oder wie in der schoenen deutschen Sprache - Raufusshuhn.


Samstag, 13. Juni 2015

Kurzer Zwangsstop

Nachdem ich jetzt schon den zweiten Tag am Ausruhen bin, habe ich jetzt endlich meinen inneren Schweinehund überwunden und geschafft hier kurz zu berichten.
Ich bin jetzt schon seit ein paar Tagen in Maine unterwegs und hatte leider etwas Pech. Der Trail in Maine ist um einiges rauher und schwieriger als im Hiker-Disneyland New Hampshire: Viele umgestürzte Bäume, Wurzeln, schwierige Steinstufen (oder einfach nur steile 'Steinrutschen') und Matschpfützen. An einem Regentag hab ich mir dann anscheinend irgendwie den Knöchel verstaucht (hatte mehrere Begegnungen mit dem Boden, und kann mich nicht mehr erinnern wann es genau passiert sein könnte)...
Daher nicht nur Essensnachschub in Rangeley, ME sondern auch zwei Tage schonen. Aber auf dem Foto ist es schon ein bisschen besser.
In Rangeley habe ich mir dann aber noch ein Eis am See gegönnt und da das Hostel hier eine super ausgestattete Küche hat auch ein Vollkornbrot gebacken. Das Farmhouse Inn Hostel ist übrigens super- mit Hühnern und somit immer frischen Eiern - und einer großen DVD Auswahl, so dass man sich alle niveauvollen Meisterwerke mit Will Ferrel reinziehen kann!
Fotos vom Trail und der Landschaft kann ich leider nicht hochladen da ich vom Handy aus schreibe.
Ab morgen geht's wieder auf den Trail,  ich freu mich schon, das sinnlose Rumsitzen nervt schon.
Bis bald

Sonntag, 7. Juni 2015

Die White Mountains

Hallo liebe Leute,
ein kurzes Update aus dem White Mountain Hostel in der Naehe von Gorham, NH.
Die letzten Tage waren zwar hart von den Auf- und Abstiegen aber essenstechnisch sehr reichhaltig!
In den White Mountains gibt es mehrere bewirtschaftete Huetten und als Thru-hiker kann man dort einen 'Work-for-stay' Platz ergattern. Da aber noch nicht so viele Thru-hiker unterwegs sind, war es fuer mich kein Problem zweimal in Huetten unterzukommen. Das beste war, da die Saison grade erst begonnen hat, waren meine Aufgaben sehr sehr einfach : Einmal Regal aufraeumen und einmal Alufolie am Gasherd austauschen - also innerhalb von 10 Minuten erledigt!
Dafuer bekommt man aber einen Schlafplatz und Abendessen ohne Ende - ich fuehle mich also im Moment reichlich gut genaehrt!
Galehead Hut am fruehen Morgen
Frohes Erwarten des Abendessens!

links Sonne - rechts Wolken - man hat freie Wahl...


Daher konnte ich die letzten drei Tage jeweils 20 Meilen runterreissen, aber heute werde ich einen 'kleinen' 12 Meilen Tag als 'Erholung' einlegen. Das habe ich auch noetig, meine Kniee werden es mir danken!
Da ich in dem Hostel untergekommen bin, konnte ich auch noch gestern einen weiteren Slag-Pack (nur kleiner Tages - Rucksack) Tag wandern. Ich glaube mit dem grossen Rucksack haette ich auch den dritten 20 Meilen Tag nicht so gut ueberstanden...
Jetzt freue ich mich schon auf den letzten Staat im Norden: Maine. Da wird es endlich wieder wilder! Die letzten Tage waren doch sehr viele Touristen unterwegs - die White Mountains sind ein sehr beliebtes Urlaubsziel und es gibt unzaehlige Wanderwege - da muss man schon aufpassen, dass man immer auf dem AT bleibt!
Also hoffentlich gutes Wetter und eine mir gutgesinnte 'Wildnis'!
Frueher Morgen (6 Uhr) - vor dem Start von Galehead Hut


Kurz vor Mount Washington - keine Angst es war ein sonniger Tag und die Wolken waren innerhalb 15 min verschwunden!

Gottseidank der einzige Schnee (bis jetzt)
So schaut ein Hiker-Dinner aus + natuerlich noch Dessert!

Dienstag, 2. Juni 2015

Regen, regen und noch mehr Wasser von oben und unten...

Kurz vor New Hampshire bin ich schon wieder von ein paar wahren Trail Angels aufgegabelt worden.
Orchideen am Trail, NH
Ich hatte eh geplant in Hanover, NH fuer eine Nacht zu bleiben, war mir aber noch unschluessig wo, da es nur teure Hotels und kein Hostel oder so gab. Ich laufe also die Strasse in Norwich (noch Vermont) Richtung Hanover und plane gerade in Gedanken meinen Tag - es war gegen mittag also Essen, Post Office und so weiter). Da faehrt eine Lady an mir vorbei und fragt, ob ich schon weiss wo ich heute uebernachte, ich total verbluefft, sage nein und 10 min spaeter stehe ich schon unter der warmen Dusche in ihrem Haus, welches etwa zwei Haeuser weiter auf der Strasse ist.
Wahnsinn! Ich bekomme sogar noch frische Sachen so dass ich wirklich ALLE meine Sachen waschen kann! Denn nachmittag hab ich in Hanover verbracht und abends dann sogar mit Betsy und Bill gegessen. Super nette Leute - ihr Sohn ist vor 5 Jahren auch den AT gelaufen und hatte auch Wahnsinnsglueck: Konnte 6 Tage lang bei einer Familie seine Wunden kurieren! Seitdem laden sie Wanderer zu sich nach Hause ein und haben auch einen Kuehler mit Wassermelone und Kuchen an der Strasse stehen.
Bill und Betsy bei meinem zweiten Fruehstueck, inklusive Obstsalat den ich als Dankeschoen gemacht hatte.
Das Beste war noch, da Betsy Zeit hatte konnte ich eine Nacht laenger bleiben und den naechsten Tag Slag-Packen - das bedeutet sie hat mich 19 Meilen noerdlich von Hanover abgesetzt (an einer Stelle an der der Trail eine Strasse kreuzt) und ich bin mit megaleichtem Tagesrucksack nach Sueden zurueck gelaufen. Einfach klasse - fast schon wie ein Tag frei nur dass ich 19 Meilen gemacht hab! Aber ein komplett anderes Gefuehl wenn man weiss dass man abends wieder im Haus schlaeft und duschen kann.
Momentan bin ich in Lincoln, NH und nehme einen Tag frei, nachdem ich die letzten zwei Tage in kaltem Regen gelaufen bin... erstmal alles trocknen lassen... Morgen soll das Wetter schon wieder besser werden. Ich war im Regen uebrigens nicht alleine - habe 'Redbeard' getroffen und war sehr froh ein bisschen Gesellschaft bei dem trueben und schwierigen Wetter zu haben. Gestern mussten wir mehrmals Fluesse durchwaten und wenn die Fuesse mal wieder, zwar nicht trocken, aber dank Merinowolle wenigstens wieder warm waren, mussten wir natuerlich wieder durch knoecheltiefe Pfuetzen... Mann, das war ganz schon nervig. Bin sogar einmal bis zum Knie in den Matsch gefallen - sah aus wie die Pfuetze davor...
Die letzten Meter zum Gipfel, keine tolle Aussicht, leider. (Mt. Moosilauke, 1460 m, NH)
Noch kann ich lachen... (1. Tag Regen)


'Redbeard' am Morgen des 2.Regentages
Beaver Brook Trail - pipi-einfach im Regen...klar!

















Das ist kein Bach, DAS ist der Weg!

 Hoffen wir dass die naechsten Tage etwas trockener werden, obwohl ich befuerchte dass es etwas dauert bis all das Wasser was in zwei Tagen vom Himmel fiel seinen Weg nach unten gefunden hat. Das gute an den White Mountains (das Gebiet was jetzt vor mir liegt) ist dass es bewirtschaftete Huetten gibt in denen ich warmes Essen und auch Unterkunft bekomme. Darauf freue ich mich schon ein bisschen! 
Liebe Gruesse an alle Trockengebliebenen zu Hause!
 

Donnerstag, 28. Mai 2015

Es wird nur besser.


Nachdem ich nun die etwas - sagen wir mal - uninteressanten Staaten abgearbeitet habe, wird es seit Conneticut/Massechusetts immer besser was die Landschaften anbetrifft.
Es kommt zwar immer mal wieder vor, dass man ein paar sinnlose Auf und Ab's dabei hat (erst gestern 10 Meilen lang etwa 10 mal rauf und runter - PUDs genannt - pointless ups and downs) aber es wird weniger.
Der Haensi ist auch in Conneticut am Start!

Ab und zu kommt es auch vor dass man ein Stachelschwein 'jagt'. Ist halt bloed wenn es sich entscheidet AUF dem Wanderweg davonzulaufen, auf dem ich ja nunmal langkomme... (nicht sehr schlau diese Stachelschweine, scheint mir.)
Die Pflanzen sind auch fast alle 'erwacht', was gut ist wenn es doch mal wieder heiss wird, hat man wenigstens kuehlen Schatten im Wald. Das Wetter ist sehr wechselhaft, ich hatte in den letzten 5 Tage alles von Nachts Frost und Tagsueber an die 14 Grad bis hin zu unglaublich schwuelen Tage mit an die 30 Grad! Gestern bin ich auch das erste mal in Platzregen gekommen, was aber fast schon angenehm war, da ich eh schon recht nass von der Luftfeuchtigkeit und dem Schweiss war. Das ist uebrigens der einzige Luxus denn ich manchmal sehr vermisse :  morgens richtig trockene Sachen anziehen. Denn wenn die Luftfeuchtigkeit so hoch ist trocknen die Sachen natuerlich nicht ueber Nacht. Hatte auch schon mal den Fall dass die Sachen am Morgen naesser waren als am Tag zuvor!
Regenwolke nur ueber mir?
Biberburg!


Glastenbury Mountain, Vermont
Morgendlicher Ausblick vom Killington Peak, Vermont (1010 m)

Dadurch dass man ja die ganze Zeit ein bisschen hungert, freut man sich ueber jegliche Extras, hier ein hartgekochtes Ei was mir ein Camper geschenkt hat!
Das war es erstmal wieder von mir. Ich bin gespannt auf New Hampshire: Die Profile werde ausgepraegter, es geht mehr in Richtung Berge, mal sehen wieviele Meilen ich da schaffe. Drueckt mir die Daumen, dass das Wetter mitspielt und ich keinen Schnee mehr erlebe und hoffentlich auch nicht allzu frostige Temperaturen!
Bis hoffentlich bald, liebe Gruesse nach Deutschland!

Trail Magic!

Es ist gibt viel zu berichten! Habe es ja auch ewig nicht an einen Computer geschafft...
Ich weiß nicht ob ich es schon erwähnt habe, aber der AT ist berüchtigt für sogenannte 'Trail Magic' : Das reicht von Gratis Essen über Gratis Unterkünfte usw. .

Jetzt hab ich das auch schon mehrmals selbst erleben dürfen und es ist trotzdem unglaublich was diese 'Trail Angels' alles tun. Ich schaffe es also meinen Wanderstock bei einem Sturz zu verbiegen.
Ich mit meinem grandios verbogenen Stock. Uebrigens inklusive improvisierten Anti-Bug Netz - musste einen Duschschwamm auseinanderschneiden, es gab nix anderes in Greenwood Lake... Not macht eben doch erfinderisch.
Da sie aus Aluminium sind, bedeutet das eigentlich Totalschaden! Ich sitze also mittags ein bisschen verzweifelt und mega-entnervt an einer Hütte (Wochenende - viele Tagesausflügler), da komme ich ins Gespräch mit PADDY-O, einem früheren Thru-hiker. Und er : "ich hab in meinem Pick-up ein paar alte Stöcke, vielleicht können wir deinen ja reparieren." Ich dachte ich hör nicht recht, was ein Superzufall! Und tatsächlich, ein Teil passt und ich habe wieder einen vollständig funktionierenden Stock! Wow!

Und in seinem Pick-up hat er noch viel mehr Sachen die ein Wanderer gebrauchen kann. Nach 20 Minuten ziehe ich also überglücklich mit zwei Wanderstöcken, frischem Wasser und neuen Batterien für meine Kopflampe weiter. Völlig verblüfft.

Was glaubt ihr wie baff ich aber erst war als er zwei Tage später abends am Shelter (nahe gelegen an einer Straße) mit meinem reparierten Alu-teil stand! Wahnsinn! Hatte also wieder zwei etwa gleich leichte Stöcke (das Ersatzteil war aus Stahl)!
Das war am 11.05. also schon vor ueber 2 Wochen.
Blöderweise, trotz aller Vorsicht bin ich 2 oder 3 Tage später auf knöcheltiefen Laub ausgerutscht, der andere Stock verfing sich unter einer Wurzel und nun ist der untere Teil verbogen und gerissen!
  Seitdem laufe ich ohne Stöcke und ich muß leider zugeben, dass es viel besser geht: ich bin schneller, hab das Gefühl dass ich nicht so stark aufpassen muß und bei steilen Abschnitten kann ich meine Hände zu Hilfe nehmen und auch mein Gewicht besser verlagern. Ich hab fast schon ein schlechtes Gewissen gegenüber PADDY-O aber ich habe entschieden ohne Stöcke weiter zugehen. Bin anscheinend nicht dazu gemacht mit Wanderstoecken zu laufen. 
Der naechste Trail Angel begegnete mir in Dalton, Massachusetts, wo ich auch meinen erste Auszeit, einen sogenannten Zero (0 Meilen) eingelegt habe. Thomas Levardi, das ist sein Name, laesst Hiker fuer umsonst in seinem Garten zelten und da wir nur zu dritt waren, meinte er: "Heut nacht soll es regnen, ihr solltet besser drinnen schlafen!" So hatte ich fuer zwei Naechte ein richtiges Bett und keinen Dollar dafuer bezahlt. Er hat auch einmal Donuts und einmal Bagels zum Fruehstueck besorgt, uns zur Mall gefahren usw.. Der Typ war einfach klasse.
Auf der Veranda von Trail Angel Thomas Levardi, mit Eiscreme!. Von links: Meinewenigkeit 'Dropknife', 'Navigator', Thomas L., 'Flash'.
Und es gibt noch viel mehr solche Menschen. Erst heute wurde ich von Betsy aufgegabelt, grade auf dem Weg in die Stadt (Hanover, New Hampshire). Ich konnte bei ihr duschen, sie waescht meine Waesche und hat auch schon angeboten, dass ich morgen Slag Pack, das heisst sie faehrt mich zum Trail und holt mich abends wieder ab. Was genial ist da ich dann nur mit einem kleinen Tagesrucksack unterwegs bin! 
Es gibt auch 'kleinere' Tail Magic die aber auch immer wieder toll ist. Man glaubt gar nicht wie man sich zum Beispiel ueber eine Box mit 'Erste Hilfe' Sache freuen kann, im Speziellen Q-Tips! Ah, das war gut! Es gibt aber auch immer wieder Kuehlboxen (bis jetzt hatte ich glaube ich 4 oder 5) mit Snacks. Auch sehr gerne genommen, vorallem Aepfel oder aehnliches! 
Grade heute frueh, wurde ich zu einem Haus neben dem Trail gerufen (der Trail verlief heute morgen schon durch eine kleine Siedlung) - eine Dose Mountain Dew und ein warmer Cornbread Muffin spaeter bin ich gluecklich weiter gezogen.
Der Trail hat schon wirklich verschiedenste Seiten. Die letzten Tage habe ich so gut wie niemanden gesehen und es wirkte alles sehr abgeschieden und dann wird man so von kleinen Ueberaschungen und der 'Zivilisation' eingeholt. Aber super, das macht den Trail-Alltag so spannend!